Edelhaare – Naturfasern
DNA-analytische Faserbestimmung und – Differenzierung von tierischen und pflanzlichen Fasern
Mit diesem Nachweisverfahren lassen sich tierische und pflanzliche Fasern anhand der Erbsubstanz, der so genannten DNA, zweifelsfrei differenzieren und identifizieren. Die Sensitivität dieser Untersuchung ist im Vergleich zur Rasterelektronenmikroskopie (REM) höher und detektiert Beimischungen weitaus sicherer. Ein weiterer wichtiger Vorteil für die DNA-analytische Faserbestimmung ist die durchschnittliche Untersuchungsdauer von ca. 4 Werktagen und die geringeren Kosten.
Tierische Edelhaare
Zu den so genannten Edelhaaren zählen alle nicht vom Schaf stammenden hochwertigen und edlen Tierhaare, die laut Textilkennzeichnungsgesetz mit dem betreffenden Tiernamen bezeichnet werden. Bekannte Beispiele sind Kaschmir, Alpaka, Angora, Mohair, Cashgora, Kamel oder Vikunja. Der anhaltend steigende Einsatz von Edelhaaren in qualitativ hochwertigen Textilwaren, der hohe Preis und vor allem die sehr beschränkte Verfügbarkeit des Rohstoffs bedingen jedoch einen hohen Grad an Missachtung des Textilkennzeichnungsgesetzes durch nicht deklarierte Fasersubstitutionen.
Am Beispiel Kaschmir, eine der edelsten und teuersten Naturfasern überhaupt, zeigt sich das Problem besonders deutlich. Während pro Kilogramm Kaschmir ca. 100 US$ bezahlt werden, liegt der Preis für Merinowolle bei ca. 3 US$. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 90% der Kaschmir-Produkte falsch deklariert sind.
Pflanzliche Fasern
Fasern von Hanf, Nessel, Ramie, Kenaf, Sisal, Leinen, Jute und Baumwolle werden seit Jahrtausenden zu vielfältigen Zwecken vom Menschen genutzt.
Pflanzliche Naturfasern werden zunehmend auch in technischen Prozessen eingesetzt. Völlig neuartige technische Produktlinien wie Verbundfaserstoffe in der Automobilindustrie oder Wärmedämmstoffe in der Bauindustrie sind inzwischen etabliert.
Viele Hersteller klagen über Schwierigkeiten bei der qualitativen und quantitativen Charakterisierung von Naturfasern. Die Bestimmung des prozentualen Anteils feiner und gebleichter Hanf- und Flachsfasern in Garnen mit Hilfe traditioneller Mikroskopier-Techniken kann nicht verlässlich reproduziert werden.
Wie bei den Edelhaaren breitet sich der Raum für Missbrauch auch bei den pflanzlichen Fasern aus. So werden die preislich sehr unterschiedlichen Fasern Ramie und Nessel häufig unter demselben Namen gehandelt, da eine Unterscheidung mit herkömmlichen Methoden kaum möglich ist.
Nachweismöglichkeiten
Die gängigste Methode zur Identifizierung von tierischen und pflanzlichen Naturfasern ist die Raster-Elektronen-Mikroskopie (REM). Verschiedene Fasern können anhand typischer morphologischer Oberflächenmerkmale rein visuell identifiziert werden, doch bereits geringfügige Verarbeitungsschritte machen eine eindeutige Identifizierung oftmals unmöglich.
Naturfasern, die den in der Textilindustrie üblichen Verarbeitungsschritten wie Erhitzen, Schälen, Bleichen und Färben ausgesetzt waren, sind mikroskopisch oft nicht mehr eindeutig zu erkennen. Bestimmte Polymerkaschierungen, wie beispielsweise Superwash, maskieren die Fasermorphologie vollständig.
Bestimmte Fasern, wie die von Yak und Kaschmirziege, lassen sich selbst im unverarbeiteten Zustand nicht voneinander unterscheiden.
Darüber hinaus handelt es sich bei dieser Methode um ein sehr zeit- und kostenaufwändiges Verfahren.
Die von uns entwickelte Methode funktioniert völlig unabhängig von erkennbaren morphologischen Strukturen. Sowohl unverarbeitete als auch chemisch behandelte Fasern lassen sich zweifelsfrei identifizieren.
Wir konnten für alle relevanten Tier- und Pflanzenarten zuverlässige Nachweisverfahren entwickeln, mit deren Hilfe selbst aus Fasermischungen die jeweilige Art mit hoher Spezifität und Sensitivität bestimmt werden kann.
RECHT
Die folgenden Auszüge stammen aus der Textilkennzeichnungsverordnung (TKV) 1993 (EWR/Anh. II: 371L0307, 383L0623, 337L0140).
Nach der TKV bezeichnet ,,Wolle” die Fasern vom Fell des Schafes (Ovis aries). Auch Gemische aus Fasern des Schafes und Haaren der folgenden Tierarten dürfen so bezeichnet werden:
Alpaka, Lama, Kamel, Kaschmir, Mohair, Angora(-kanin), Vikunja, Yak, Guanako, Biber, Fischotter
Die Nettotextilgewichtsanteile der in einem Textilerzeugnis enthaltenen textilen Rohstoffe sind in Prozenten anzugeben, und zwar bei Textilerzeugnissen aus mehreren Fasern in absteigender Reihenfolge der Anteile. Technisch bedingte Abweichungen zwischen den angegebenen und den tatsächlichen Nettotextilgewichtsanteilen dürfen nicht mehr als 3% des Nettotextilgewichts betragen (Mischungstoleranz).
Ein Anteil von maximal 2% an Fasern, die in der Angabe des textilen Rohstoffes nicht genannt sind, ist nur dann zulässig, wenn dies herstellungstechnisch bedingt und nicht Ergebnis einer systematischen Hinzufügung ist (Fremdfasertoleranz).
Sollten Sie Fragen zu diesen oder anderen Themen haben, zögern Sie nicht uns direkt zu kontaktieren!